Hauptstadtziegen – 42K in Berlin

Eigentlich wollte ich nicht mehr nach Berlin. Die Erfahrungen des letzten Jahres, welche allerdings nichts mit der Veranstaltung sondern rein persönlicher Natur waren, haben mich davon abgehalten mich zur Lotterie um einen Startplatz anzumelden. 
Als ich im Team Erdinger Portal einen freien Startplatz sah auf den man sich bewerben konnte hab ich einfach mal ein paar Klicks gemacht und siehe da.. unverhofft geht es nun doch nach Berlin.. Danke TEA.

Da die Wirrungen und Ereignisse der letzten Monate groß waren wollte ich unbedingt ein ruhiges Rennwochenende allein haben und dabei meinen Frieden mit Berlin schließen. Da der Berlin Dauerstarter Harald in diesem Jahr keinen Startplatz bekam ( es wäre sein 10. gewesen ) wusste ich dass ich wohl in unserem Stammhotel Centrovital in Berlin Spandau allein sein würde.  Es kam dann doch alles anders wie gedacht. Aber das muss separat erzählt werden weil es wenig mit Laufen zu tun hat. Einige Insider werden in den folgenden Ausführungen aber ahnen worum es geht.
Da es sich um ein Großereignis handelt habe ich mir überlegt auch einen ausführlichen Bericht über das ganze Wochenende zu schreiben.

Der Freitag – Anreise und EXPO
Die Anreise war ein wahre Leidensgeschichte. Ich hatte geplant entspannt am Vormittag loszufahren um dann vom Hotel mit dem Rad zur Expo am Flughafen Berlin Tempelhof zu fahren. Das wären zwar ordentlich km geworden aber es ist ja nun erst Freitag.. Aufgrund der Verkehrslage habe ich diesen Plan um exakt 18:35 kurz vor Berlin verworfen. Ich hoffte noch rechtzeitig mit dem Auto zur Expo zu kommen um den morgigen Sonnabend wie geplant mit der An- und Abfahrtssimulation für den Sonntag zu gestalten.

Berlin Vital – Die Marathonmesse..

Kurz vor Toresschluss kam ich nach zähen Minuten oder waren es Stunden ? auf dem überstautem Tempelhofer Damm am Verwaltungsgebäude des alten Flughafens an und beschloss mich in den Rang eines Verwaltungsrates zu erheben ( Stand so auf dem Schild am Parkplatz ) um noch in die Expo zu kommen. Rein war kein Problem .. aber der Weg zu der Nummernausgabe .. fast eine halbe Stunde hat es gedauert dort anzukommen. Es wurde IKEA artig ein Weg durch die EXPO quasi vorbestimmt. Keine Chance abzukürzen ohne Ortskenntnis. Auf dem Rückweg zum Auto durch die Konsumschlacht habe ich mich anstecken lassen und war versucht noch mal bei 2xu und so vorbei zu schauen.. das wäre sogar letztes Jahr als „L“ Träger schon ein Problem geworden .. dieses Jahr mit „M“ keine Chance.. also auf XS oder 2XL trainieren .. 
Von der Expo aus dann in mein Hotel nach Spandau wo ich schließlich auch gegen 21 Uhr aufschlug .. noch eben das leckere Risotto welches ich aus dem letzten Jahr kannte und ein paar Bier bestellt und dann ins Bett. Das Risotto war leider ein Fiasko aber das passte zum Tag. 

Ich versuche mal ab heute immer eine Empfehlung zur Unterbringung anzugeben.. Hier kommt sie später in der Empfehlungsliste unter Stuff.

Bundeskanzleramt

Der nächste Morgen 
Ich hatte mir vorgenommen den Tag zu nutzen um den Weg zum Start des morgigen Marathons per Velo zu probieren da ich dem Anreise Stress mit Bahn und Met aus dem Weg gehen wollte. Dazu hatte ich ja extra mein uraltes Rennrad mitgenommen. 
Da ich ja meistens kein Frühstück mitbuche wenn ich zu Laufevents fahre habe ich mir noch schnell ne Stulle auf die Hand besorgt und bin dann Richtung Reichstag mit dem Rad los. Ich hatte mir vorher eine Strecke über GPSIES.com erstellt und diese auf meine GARMIN EDGE 1030 geladen und hatte so ein Navi welches mich an mein Ziel führen sollte.
Immer an der Havel lang zur Spandauer Zitadelle über Haselshorst Richtung Siemensstadt, knapp am Westend vorbei quer durch Charlottenburg zunächst bis zum Ernst Reuter Platz. Dir ganze Strecke war wunderbar zu fahren und ich konnte vom weiten schon die Siegessäule sehen welche mein nächster Wegpunkt sein sollte. 
Einmal drumherum bei herrlichsten Sonnenschein strahlte die Viktoria in goldenen Farben. Ein toller Anblick.

Die Viktoria auf der Siegessäule

Von dort ein kleiner Umweg über das Bundespräsidialamt zum Schloss Bellevue um daraufhin direkt zu Angies Garage abzubiegen um das Rad anzuschließen und zu gucken was schon so alles bereit steht für den Event am Morgen. Immer wieder faszinierend die Stimmung rund um den Reichstag … erhaben und gleichzeitig ernüchternd .. wie können Volksvertreter dort die Bindung zur Basis erhalten ? Aus meiner Sicht fast unmöglich .. egal hier geht es ums Laufen und um die schnellste Marathonstrecke der Welt.
Auf dem Rückweg bin ich dann noch am Olympiastadion vorbei gefahren – dort klang gerade der Frühstückslauf aus der immer vor dem Marathon veranstaltet wird. Ein bisschen hin un her und dann auf direktem Weg ins Hotel.. 

Dort angekommen dann der direkte Griff nach meinem EBook, dem Handtuch und den Badelatschen .. ohne Umweg auf die Dachterrasse mit Sauna..
Einige Stunden, viele Seiten und ein paar Gänge später wurde ich dann überrascht dass eine besondere Person in meinem Leben ein paar Liegen hinter mir auch wohl die Luft und den Abend genießen wollte …
Das übliche Programm dann weiter .. ein Italiener .. eine Familienpizza .. ein paar Bier und dann ab ins Bett .. lediglich ein bis zwei Unterbrechungen die das Telefon bereit hielt verkürzten die Nacht.

Der Morgen des Events hielt dann alles bereit was es für ein gutes Rennen benötigt: Nicht zu kaltes oder zu warmes sonniges Wetter mit ausreichend Bewölkung so dass die Sonne nicht zu stark brennen würde.
Zunächst habe ich nach dem aufstehen mit der bereits bewährten Rennroutine begonnen. Plastikporridge von Rossmann mit einem Stückchen Banane und Tütenkaffee von Jacobs. Vorher eine schnelle Dusche und der Tag kann beginnen !
Schnell noch den Beutel gepackt mit den Laufschuhen und den Startunterlagen und ab auf das Rad auf die am Vortag erkundete Strecke.

Diese hatte einige Überraschungen parat.. Höhe des Kraftwerks an der Nonnendammallee war eine Strassensperre zu sehen .. warum denn schon hier ? Wie komme ich dann jetzt weiter ? Glücklicherweise standen einige Polizisten in der Nähe und als ich anhielt kam auch gleich eine nette Ordnungshüterin auf mich zu mit einer komischen Frage:
„Kennen Sie sich mit Ziegen aus ?“ Perplex antwortete ich mit „Ja so einige sind mir in meinem Leben schon über den Weg gelaufen“ Gelächter bei den Beamten und eine Richtungsweisende Handbewegung in Richtung Strassenrand..
Dort stand recht teilnahmslos eine große weiße Ziege die offensichtlich die Freiheit der Strasse dem eingepfercht sein auf der Wiese vorziehen wollte. Drum herum 3 Wachtmeister mit ratlosen Blicken .. ca 5 Meter weiter ein Loch im Zaun ..
„Was man da tun könne ?“ war die Frage an mich … „Naja .. es wäre gut was zu finden was die Ziege im Gehege interessiert“ sagte ich und schaute in die Runde.. „von Ihnen kommt da niemand in Frage“ fügte ich zwinkernd hinzu. Wieder allgemeines Gelache .. Ein bisschen haben wir dann noch über Möglichkeiten zur Ziegenmotivation gesprochen bis ich dann aber darauf bestanden habe die Sperre zu durchbrechen um zum Marathonstart weiter zu fahren. Man ließ mich mit freundlichen Wünschen gewähren und ich fuhr .. mit guter Laune weiter meiner Strecke nach.
Die war fast Menschenleer so dass ich die Chance hatte um die Siegessäule herum ein paar Umrundungen zu machen .. wann kann man das schon ?

Mein Rad habe ich dann vor unserer Volksvertretung dem Bundestag angeschlossen. Auf direktem Weg zur Team Erdinger Alkoholfrei Lounge stand denn Annett vor mir  .. 
Dort habe ich dann einige Pummelanten getroffen.. Diese Erdinger Lounge ist ein wahrer Genuss bei solch einem Event. Man hat alle Zeit der Welt um sich vernünftig auf den Lauf vorzubereiten und muss sich nicht in die Massen einordnen..
Da Annett hier keinen Zutritt hatte wünschte Ich Ihr einen guten Lauf und widmete mich den Pummelanten um Yvonne.
Einige Zeit später fand ich mich dann doch mit Annett in der Startaufstellung wieder – sie  wäre verletzt und würde nur ungern allein laufen – ich sagte ihr eine begrenzte Begleitung zu, wies aber daraufhin dass ich auf jeden Fall durchlaufen würde und später auch mein Tempo anpassen würde. So ging es auf die Reise um meinen 2. Marathon in Berlin zu laufen. Zum Start sagte ich noch zu Annett “ Weltrekordwetter ;-)“

Mit der zweiten Welle wurde die Meute losgelassen. Dieses Mal keinen Pacer gesucht sondern der eigenen Regie und Laune folgen.. Das war mein Plan. Es sollte auf keinen Fall um Bestzeiten oder ähnliches gehen. Nur das letzte Jahr vergessen machen. Gleichmässiges moderates Tempo vorbei an einigen Sehenwürdigkeiten der Stadt. Das Brandenburger Tor im Rücken auf der Strasse des 17. Junis vorbei an der Siegessäule die wie am Vortag hell glänzte. Dann an der TU vorbei bis zum Ernst Reuter Platz mit seinen Bürokomplexen. Hier geht es rechts ab Richtung ALT Mobiat um dort die Spree zu queren. Vor dort aus den in das Regierungsviertel. Die Schweizer Botschaft hat dort für ordentlich Stimmung gesorgt. Ein verwaistes Bundeskanzleramt danach der Bundestag und die Bundestagsverwaltung.
Quer durch Oranienburg bis es bei km 12 um den Strausberger Platz geht der fast komplett umrundet wird. Immer schön dort die Stimmung. Allgemein fand ich dass in diesem Jahr nicht so viel los war wie im letzten.. aber das mag auch nur ein Eindruck sein..

keine Ahnung wo das war aber drumherum sieht man schon die Anstrengung ..;-)

Auf der Heinrich Heine Str. bis zum Moritzplatz an den Prinzessinengärten vorbei durch Kreuzberg zum Cottbusser Tor. Nach diesem Kreisel gab es dann erstmals für mich in einem Rennen ein Dixi Besuch. Das kostete natürlich ordentlich Zeit und ich verabschiedete mich nun endgültig von im Hinterkopf angepeilten  Zielzeit von 3 Stunden und 45 Minuten. Das war ja aufgrund des moderaten Anfangs des Rennens eh nicht drin.
Später wurde noch das KaDeWe und andere nette Sehenswürdigkeiten passiert. 
So langsam nahm auch meine Geschwindigkeit zu. Bei den Verpflegungspunkten nahm ich mir wie immer ordentlich Zeit und bin dort auch immer zum trinken ein paar Meter gegangen.
Ab Km 30 habe bin ich dann immer mehr in Richtung 5er Pace geschielt. Annett blieb wacker dran. Da ich aber unbedingt alleine durchs Ziel laufen wollte habe ich noch eine Schippe drauf gelegt und mich bin zum Ziel auf eine 4:35 gesteigert, Ein tolles Gefühl so durch das Feld zu pflügen und einen Läufer nach dem anderen zu kassieren. Überholt wurde ich jetzt nicht mehr.

positiv nach vorne schauend die Hände leicht geöffnet – Trainer Hartmut wäre zufrieden

Im Ziel habe ich erstmal das Gefühl genossen so leicht und locker einen Marathon zu absolvieren. Keinerlei Probleme oder Schmerzen in den Beinen. Vom Kopf her wäre ich sogar noch gerne weiter gelaufen. Jetzt allerdings ging es darum den Moment auszukosten. Das gelang mir nur bedingt da ein paar Minuten Annett wieder vor mir auftauchte und auf ein Finisherphoto vor dem Reichstag bestand .. Gesagt getan und danach direkt zum Erdinger Zelt. Dort habe ich dann paar verwunderte Gesichter geerntet als ich von den Lauf in die Radklamotten wechselte. Kopfschüttelnd sagte einer „Ihr Triathleten habt doch einen an der Waffel !“ worauf von weiter hinten kam „Wir alle haben riesig einen an der Waffel !“ Ich fühlte mich auch nicht angesprochen .. Ich bin ja kein Triathlet.

Da geht noch was ..

Eine kurzweilige Radfahrt mit unnötigen Schlenkern später sass ich schon in der Bar auf der Hotelterrasse und hab mir eine schönes Manöverbier gegönnt. Der Plan war danach in die Sauna und in den Whirlpool um dann den Tag im Restaurant ausklingen zu lassen. So kam es dann auch.

Fazit des Rennens: Wenn man einen Haufen langsamer Asiaten mitten auf der blauen Linie und berserkernde Läufer an den Verpflegungspunkten kennen lernen möchte, ist Berlin wohl der ideale Platz dafür.
Allerdings auch eine großartige Organisation und eine tolle Stimmung kann man hier finden. Letztlich ist es aber doch deutlich spürbar ein rein kommerzielle Veranstaltung die auch ordentlich Geld kostet mit Unterbringung und den Nebengeräuschen die das so mitbringt. Ich für meinen Teil bin mir auf jeden Fall sicher dass ich kein Berlin Junkie werde. Es sei denn es bietet sich mal wieder eine besondere Konstellation. Dann ist es immer eine Reise wert.

Eliud Kipchoge hat dann auch noch tatsächlich den Weltrekord unterboten. Das wurde uns Normalos bereits zur Halbzeit unseres Rennens mitgeteilt..
unfassbar diese Geschwindigkeit die der läuft.

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