Im Gleichschritt über 42K durch Bremen

Heimatstadtmarathon…
Direkt nach dem Berlin Marathon vor 3 Wochen war es mehr als unsicher ob eine Teilnahme beim diesjährigen Bremen Marathon möglich sein wird. Die terminlichen Voraussetzungen waren sehr gut da es dieses mal 3 Wochen Pause zwischen den beiden Terminen gab. Sonst ist immer nur eine Woche Zeit. Geplant war ein erstmaliger gemeinsamer Start von Sonja und mir bei einem offiziellen Lauf. Dann natürlich in Bremen – in unserer Heimatstadt. 

Leider war die Situation so prekär dass während ich in Berlin lief Sonja zu Hause auf dem Sofa mit Fieber, Schüttelfrost und Schweißausbrüchen vor dem Fernseher die Szenerie verfolgte. An ein Marathontraining geschweige denn an einen Start in Bremen war gar nicht zu denken. Langsam und einige Zeit nach Berlin kam sie wieder ins Training so dass es uns möglich war am 3. Oktober – dem Tag der deutschen Einheit – einen Testlauf zu absolvieren ob ein Start überhaupt sinnvoll ist.
So machten wir uns am Morgen auf um in Rotenburg an der Wümme eine Strecke der sogenannten „Nordpfade“ zu absolvieren .. 21km durch Wälder, Felder und an schönen Gegenden vorbei von Rotenburg aus auf einem Rundkurs nach Rotenburg zurück. Vorgenommen hatten wir uns eine den Umständen entsprechenden ambitionierte Pace die Sonja zeigen sollte ob es für eine Marathonbelastung 4 Tage später ausreichen würde. So liefen wir zügig bei kühlem leicht feuchtem Wetter durch die Heide und kamen glücklich mit einem leckeren Brötchen beim Frühstück zu dem Schluss Sonja am Sonnabend vor dem Marathon in Bremen nachzumelden.

Nordpfad Impression

Also haben wir uns am Morgen vor dem Marathon mit dem Fahrrad aufgemacht um Sonja im Rahmen der Marathon Messe in einem Hotel in der Nähe des Universums in Bremen nachzumelden. Wobei man ganz klar bemerken muss dass die Bezeichnung Marathon Messe fast wie ein Hohn erscheint wenn man die Ansammlung von Restposten und Ladenhütern so ansieht die der örtliche Dealer und gleichzeitig Veranstalter des Marathons da so in die Räume geworfen hat. Fast eine Frechheit. Der Starterbeutel und die Fröhlichkeit der Crew waren dann auch eher übersichtlich.. Highlight hier war natürlcih Toni der vor ein paar Tage erst den Spartathlon beendet hatte und nun tatsächlich in Bremen laufen will.. Unfassbar.. Nun ja. nach einem Café am nahen Unisee war der Ärger dann alles so dufte wie es sollte.

gemeldet und voller Vorfreude

Am Abend dann der obligatorische Besuch beim Italiener unseres Vertrauens – eine große Pizza und ein paar Bier – und die Vorbereitung für den Sonntag waren erledigt. Früh ins Bett und gut schlafen rundete das ganze ab.

Da wir am Morgen keinen Stress mit Parkplatzsuche und späterer Behinderungen bei der Abreise haben wollten entschieden wir uns für einen Transfer zum Marathon per Rad. Dort angekommen haben wir uns zunächst sortier und kurz die Gegebenheiten begutachtet. Einige bekannte Gesichter waren auch schon vor Ort und auch Sonjas Trainingsgruppe war schon fast in voller Stärke da. Trotzdem entschieden wir uns aus verschiedenen Gründen eher im Hintergrund zu bleiben und bis zum Start mehr für uns zu sein.

Die Strecke

Den Start selbst haben wir dann ziemlich am Ende des Feldes bestritten so dass wir niemanden unnötig in die Quere kommen. Daher kam es dass wir einige Läufer überholten die wir sonst eher nicht auf der Strecke treffen es sei denn wir verabreden uns mit Ihnen. So überholten wir Yvonne uund den Trolli und viele andere Gesichter dessen Aufzählung lang wäre – ist eben Bremen und man kennt sich.

Da ja der Leistungsstand von Sonja ganz unklar war was die Gesamtstrecke betrifft war der Plan zunächst mal von ganz hinten auf den 4 Stunden Pacer aufzulaufen und dann zu sehen wie wir dort weitermachen wollen. Von ganz hinten im Feld dauert das natürlich eine Weile und somit sind wir die ersten Kilometer bis zum Meeting mit dem Pacer deutlich schneller angegangen wie es Sonja behagte und es gab den ein oder anderen Rüffel. Das zügige Tempo hat aber wohl dafür gesorgt dass unsere Verweildauer beim Pacer, den wir etwa in Höhe des Kuhhirtenwegs bei km 6 erreichten, recht kurz war. Ungefähr 300 Meter sind wir mitgelaufen -dann ein kurzer Blick zum Meinungsaustausch und die Entscheidung zum überholen war getroffen. Von da an nun haben wir das Tempo selber bestimmt.

Rüber über die Werdersee Brücke am Deichschart und ein Stückchen der Bunnyrunde der Bremer Racebooker entlang hinein nach Habenhausen und von dort wieder zurück entlang der Wehrstrasse hin und über das Weserwehr zum Osterdeich. Langsam kam der nächste Emotionspunkt entlang der Staderstrasse näher .. Dort sollte an der Querung zur Bismarckstrasse Herr Köster auf Sonja warten. Herr Köster ist ein alter Herr weit über 80 den Sonja dann und wann besucht um mit Ihm ein paar schöne Momente zu verbringen. So war es dann auch. Wir liefen auf Ihn zu und Sie begrüsste ihn mit einem kurzen Hallo und einer schnellen Umarmung. Schöne Momente.

Kurz darauf liefen wir auf ein pinkes Pärchen auf. Schon von weitem hatte ich Ingo an seiner Cappy und dem Laufstil erkannt. Mit einer Lauffreundin war er aus dem Münsterland angereist um bei uns in Bremen zu laufen. Wir hatten schöne kurzweilige Momente über die Halbmarathon Marke im Rhododendronpark hinaus wo wir viel Gelegenheit zum quatschen hatten. Später an der Uni verabschiedeten wir uns dann voneinander. Vorher bekamen wir noch ein tolles Kompliment: „Es sieht so toll aus wie Ihr zusammen lauft – so harmonisch wie aus einem Guss!“ . Das ging natürlich runter wir Öl..

kurz vor dem Rhododendronpark

Der zwischenzeitliche Biss in eine kalte halbreife Banane äußerte sich jetzt doch leider zunehmends unangenehm – da ich ja nie etwas mitnehme in Sachen Verpflegung verlasse ich mich immer auf das was an der Strecke angeboten wird. Manchmal ist man da leider verlassen. So auch leider heute an einigen Verpflegungspunkten. Weg ignorieren so weit es geht ist dann immer meine Taktik.

Weserstadion

Sonja hat ganz sicher Ihren Cruising Mode gefunden so dass wir auch den eher langweiligen nördlichen Teil der Strecke bis zur Zusammenkunft mit den Halbmarathonis am Universum absolvieren konnten. Dort wurde es dann voll.. und zwar richtig voll und auch eher unentspannt. Die Halbmarathonläufer sind da ja erst knapp 7 km unterwegs und natürlich noch richtig im Saft so dass es an dem ersten Verpflegungspunkt zum Hauen und Stechen kam. Nicht so schön.
Weiter durch den Bürgerpark und am Torfkanal entlang ist immer eine schöne Stimmung und man kann wunderbar mit den Zuschauern in Kontakt kommen. Am Utbremer Ring steht immer eine Oma Truppe die ich schon vom Halben aus den letzten Jahren kenne. Die machen immer richtig Alarm. Den richtig enormen Alarm gibt es dann aber eine Strasse weiter. Auf der Hemmstrasse ist sicher schon den ganzen Morgen Party und wie man hört geht es auch bis spät am Abend hier weiter. Stimmung pur. Dann die Schrecksekunde. Kurz unaufmerksam und Sonja stürzt bei km 30 kurz nachdem ich noch schnell ein Dixi besucht habe. Schnell hat Sonja sich berappelt, hat Ihre abgerissene Startnummer gerichtet und etwas beeindruckt und doch unsicher ob nicht mehr passiert ist den weiteren Weg eingeschlagen. Kurz vor der Hemmstrasse hatte sie sich noch mit Musik versorgt. Sicher wird es helfen den Rest zu bestreiten.

Im folgenden allerdings nach der Bahnunterführung Richtung Überseestadt ab km 31 wird es richtig zäh.. Kaum ein Zuschauer und triste Gebäude machen ein Fortkommen zur Qual. Glücklicherweise haben wir hier ein paar bekannte Gesichter überholt die allerdings auf der Halbmarathon Distanz unterwegs waren. Das geht dann etwa bis km 35 so trist weiter wo der zweite Stimmungshöhepunkt an der Schlachte wartet.
Spalierlaufen zwischen Massen von Zuschauern darf man hier auf ein paar hundert Metern genießen. Sollte man auch und das Gefühl mitnehmen. Denn der Abschnitt danach hin und durch das Weserstadion soll auch den Erzählungen nach extrem zäh und gummiartig sein.

Sonja hat das wohl so aufgefasst dass man möglichst schnell da durch sollte… denn exakt nach der Wilhelm-Kaisen Brücke ließ sie es richtig rollen. Ich hatte schon gespürt nachdem sie die Musik eingestöpselt hatte dass das Tempo forscher wurde jedoch habe ich besonders nach dem Sturz und gerade auf diesem Teil der Strecke der bis zum Stadion immer ein ganz wenig bergauf geht und der Wind von vorne kommt nicht damit gerechnet dass sie noch weiter anziehen will und vor allem kann. Ich musste sie sogar ein wenig einbremsen.

Die letzten Meter

Durch das Weserstadion zu laufen ist ja immer ein besonderes Highlight. Außerdem wartet danach der vorletzte VP. Kurzes abnicken und dran vorbei ohne zu halten. Es folgte die Rampe zum Osterdeich hoch welche immer wieder eine besondere Freude ist..mit aller Kraft und Entschlossenheit und im Hinterkopf bereits den Tiefer und die Unterführung im Kopf ging es immer weiter immer etwas schneller werdend Richtung City. Die letzen km und die folgenden haben wir dann nur noch überholt. Den letzten Versorgungstisch haben wir folgerichtig auch liegen lassen und sind voller Emotionen auf die Obernstrasse dem Ziel entgegen geflogen.

Vor dem Ziel

Die Bedingungen an diesem Tag waren vom Wetter fast ideal. Morgens war es zwar lang recht frisch aber die Sonne und die Stimmung an der Strecke haben das schnell vergessen gemacht. Unser erster gemeinsamer Lauf war ein solcher Genuss und eine harmonische Erfahrung die unbeschreiblich war. Im Ziel dann waren wir überwältigt von dem was wir dort gerade erlebt haben so dass wir keinerlei Augen und Ohren für viel tolle Ergebnisse hatten die an diesem Tag erlaufen wurden. Fast nicht zu fassen in welchem Gleichschritt wir durch die Strassen und Bezirke unserer Heimatstadt gelaufen sind. Dass wir in großem Einklang unserer Leidenschaft nachgehen können wussten wir ja bereits aus unseren gemeinsamen privaten Läufen. Dass sowas über einen kompletten Marathon möglich ist und was das vom Empfinden her ausmacht haben wir beide nicht erwartet. Wir sind darüber unglaublich dankbar.

Zieleinlauf

Mit dem Rad haben wir dann das Eventgelände verlassen. Wir haben uns einen sonnigen Platz auf einer versteckten Bank in Mahndorf gesucht und haben die folgenden Stunden ganz eigen genossen – nur für uns.
Viel tolles Feddback haben wir hinterher von vielen Seiten auf vielen Kanälen bekommen. Auch eine neue Erfahrung.
Für mich der Tag schönste Lauftag den ich bisher erleben durfte.
Danke Sonnenschein.

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